Wie Annette Mingels die Kunst des Liebesverlangens, das Gerangel, wenn es nicht klappt, wie man es sich wünscht, - wie sie das in ihren formidablen Kurzgeschichten in Szene setzt, zeugt von atemberaubender Spannung. (...) Sie braucht keine psychoanalytischen Theorien, um die Verrücktheiten der Liebe in Szene zu setzen. Sie vertraut ihrer Menschenkenntnis. Ihren eigenen Erfahrungen. Immer wieder fallen ihre betörend schöne Bilder ein, um die melancholische Grundstimmung in den Texten aufrecht zu erhalten. Auch an literaturgeschichtlichem Anspielungsreichtum mangelt es den Texten nicht. Mingels Erzählkunst lebt von plastisch dargestellten Figuren, einem feinen Gespür für das richtige Erzähltempo und von versteckten Plots, die zu entdecken eine reine Leselust sind. Leichtfüßig, aber Schritt für Schritt präzise konstruiert erzählt die Autorin von Freundinnen, die hinter dem selben Mann her sind, von Einsamen, die besser alleine bleiben sollten als zu zweit, von Weggehenden, die erst nach dem Weggehen merken, wen sie verlassen haben, von Liebenden, die sich einfach nur gehen lassen, von Ehepartnern, die sich mit einer simplen, verhängnisvollen Beziehungsphilosophie über die Zeit retten. Jeder gute Geschichtenband hat einen Text, der aus dem Rahmen fällt. In "Romantiker" ist es die Geschichte von einem Kleinkind, das in einem unbewachten Moment in den Teich fällt, ertrinkt und weggetragen wird. Sechs Seiten, die niemand vergisst. Sechs Seiten, nach denen man ins Kinderzimmer geht, um sich zu vergewissern, dass der geliebte kleine Mensch noch lebt. Annette Mingels Geschichten von der Liebe lassen niemanden kalt.
Hajo Steinert: Die Welt

(Schon das) erste Stück des Erzählbandes "Romantiker" macht deutlich, worum es in Annette Mingels fabelhaften "Geschichten von der Liebe" immer wieder geht: um die gemischten Gefühle und die inneren Vorbehalte. (...) Es ist ein veritables Narrenschiff, das Mingels zu Wasser lässt. Immer wieder bekommen wir es mit Protagonisten zu tun, die sich im Bewusstsein ihrer Attraktivität geradewegs in einen "Liebeswahn" begeben (...). Mit einem atmosphärisch dichten Meisterwerk schließt der Band ab: "Nachbeben", eine Familiengeschichte. (...) Konkretion ist die Stärke der Autorin, es wird eben nicht nur Gefühlen nachgeforscht, sondern sehr plastisch von Menschen, Orten, Dingen erzählt. Man liest diese Geschichten, gerade weil sie nicht nach Short-Story-Lehrbuch auf einen Knalleffekt hin konstruiert sind, gerne ein zweites Mal, wobei man staunt über passgenaue Details, die man zunächst nicht beachtet hat. Ohne zu psychologisieren, ist Mingels eine raffinierte psychologische Erzählerin, die darauf vertraut, dass sich ihre Figuren schon selbst entlarven. Bisher ist die 1971 geborene Autorin mit vielgelobten Romanen wie "Die Liebe der Matrosen" hervorgetreten. Es scheint, dass sie in der Zehn-Seiten-Erzählung ihre Form gefunden hat, denn hier kann das subtile Detail noch besser zur Wirkung kommen als im Roman, wo es leicht zur Marginalie wird. Nicht aus jeder Liebesgeschichte wird ein Roman - im Leben wie in der Literatur. Das ist in diesem Fall sehr gut so.
Wolfgang Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Annette Mingels erzählt von den bekannten Konflikten und Wunden auf so virtuose, heiter-melancholische Weise, dass sie einem ganz und gar unverbraucht vorkommen. Man fühlt sich bei der Lektüre wie in einer Liebesgeschichte: Eigentlich kennt man alles, aber zum Glück kommt es einem jedes Mal neu und einzigartig vor.
Manuela Reichart: Literaturen

Wo Liebesgeschichten ungedeckt bleiben von einem soliden epischen Handlungsmuster mit Anfang und glücklichem oder unglücklichem Ende, droht Beziehungslyrik und Befindlichkeitsprosa. Nichts dergleichen jedoch in diesen Geschichten. (...) Wo Annette Mingels (...) auf einen thematischen Nerv trifft, entfaltet sich ihr feines Gespür für psychologisch prägnante Darstellung, das ihre früheren Bücher wie "Die Liebe der Matrosen" schon auszeichnete. (...) Solche Texte entfalten einen ganz eigenen Klang in dem gegenwärtig stark boomenden Genre der Liebesprosa. Und sie bestätigen, dass mit dieser Autorin vorab in der kleinen Form fortan zu rechnen ist.
Joseph Hanimann: Süddeutsche Zeitung

Annette Mingels ist eine Meisterin, wenn es darum geht, ihre Protagonisten aneinander vorbeireden zu lassen, sich gegenseitig oder selbst etwas vorzumachen: selbstverständlich in allerbester Absicht und fast immer aus Liebe.
Irene Ferchl: Stuttgarter Zeitung

Annette Mingels rehabilitiert in sechzehn hochkonzentrierten Erzählungen die Kunst des Liebens als eine mächtige Passion... Das grausame Verhängnis von Liebe und Tod - so intensiv und verstörend ist es kaum je beschrieben worden.
Michael Braun: Schweizer Monatshefte

Höchst erstaunlich sind die Geschichten, die die bisherige Romanspezialistin hier vorlegt. Grosse kleine Geschichte - momentan wohl das beste, was man sich in emotionalen Stunden zu Gemüte führen kann.
Sonntagspost

Buhlen und Bangen 
"Romantiker" - Annette Mingels erzählt "Geschichten von der Liebe"
Sie wird immer besser. (...) Mag das Genre der Short Story marketingtechnisch gesehen auch eher schwierig zu vermitteln sein, so hat die 1971 in Köln geborene und in Zürich lebende promovierte Germanistin damit doch einen Glücksgriff getan. (...) Oft legt sie gerade im scheinbaren Detailfetischismus jene Spannung frei, die den Kern der jeweiligen Kurzgeschichte ausmacht. Das Glanzstück des Buches, "Nachbeben" - klugerweise als letzter Text placiert -, vereint denn auch ein souverän, unaufgeregt durchgespieltes Ehedramolett mit einer subtil durchgehaltenen Elternperspektive. Die Mutter wird den Verführungskünsten eines zwielichtigen Nachbarn schliesslich nicht erliegen, denn er entpuppt sich, ähnlich wie Martin in "Katzensprung", als ein Gefahrenherd für das Kind. Das Entsetzen lauert geradewegs um die Ecke. Und diese stille Drohung funktioniert als Bassbegleitung für einen staunenswerten Gesang vom Wesen der Liebe.
Alexandra Kedves: Neue Zürcher Zeitung

Annette Mingels hat erkennbar eine Vorliebe für Dreiecksverhältnisse - und eine enorme Fähigkeit, ein Geschehen völlig unterschiedlich aus der Perspektive verschiedener Personen zu schildern. Alltäglich scheint der Stoff, eine besondere Situation fordert die Beteiligten heraus - und in der Überschneidung von Wünschen und Erwartungen tut sich plötzlich ein Abgrund auf. Tragik insistiert im Einfachen und beeindruckt den Leser, weil die Sprache von Annette Mingels unaufgeregt und genau bleibt, gelegentlich auch nüchtern und lakonisch. Die (...) Erzählungen sind zeitgemässe Glanzstücke des Genres.
Deutschlandfunk

Wohl dem, der lieben kann, ohne von Gegenliebe abhängig zu sein. Das muss ein echter Romantiker sein. Aber wehe dem, dem es darum geht, geliebt zu werden. Ein typischer Zeitgenosse ist das. Annette Mingels verschreibt sich in ihren «Geschichten von der Liebe» mit dem tollkühnen Titel «Romantiker» der Kunst des Liebens und nicht, wie so viele ihrer Kollegen, dem Liebesverlust, der Trennung und anderen Beziehungskatastrophen. Liebe ist bei Annette Mingels eine Lebensform. (...) Sie setzt die Thematik in all ihren Konstellationen auf atemberaubende Weise in ihren Geschichten um - fast noch besser als in ihren fabelhaften Romanen «Die Liebe der Matrosen» (2005) und «Der aufrechte Gang» (2006). 
Tages-Anzeiger

Es ist alles da: Die Liebe in ihren Varianten; zum Kind, zum Mann, zur Frau, zum Tier. Die Liebe in ihren Facetten; erfüllt, stürmisch, erlahmt, blind, unbeachtet.(...) Die in Zürich beheimatete deutsche Autorin erzählt altbekannte Geschichten neu, begibt sich mittenrein ins Chaos der Geschlechter. Der Detailreichtum der Geschichten, ihre Realitätsnähe und die ausgezeichnete psychologische Beobachtungsgabe machen die Lektüre des Buches zu einem kurzweiligen Erlebnis. 
Basler Zeitung

Annette Mingels analysiert in ihren Kurzgeschichten, was die Liebe oder vermeintliche Liebe aus Menschen macht. Ihre Gedanken kreisen um die rächende, die vergebliche, mühsame Liebe, die verbotene, die unbelehrbare, aus der Straftaten, Fehler, Verletzungen erwachsen. Ihre Pointen treffen ins Herz, machen betroffen. Klar, sachlich-kühl und doch poetisch ist ihre Sprache, sie packt ihre Figuren, lässt sie nicht entrinnen.
Main-Echo

"Geschichten von der Liebe" ist diese Sammlung untertitelt, doch die meisten Erzählungen drehen sich um Gefühle, die einem romantischen Geist bei dem Thema nicht gleich in den Sinn kommen: Angst, Schuld, Unentschlossenheit. Die Autorin ist erst Mitte 30, aber aus den oft nur zehn Seiten langen Szenen spricht große Lebenserfahrung - und im Gegensatz zur Sprachlosigkeit vieler ihrer Figuren ist Mingels' Ausdrucksstärke beeindruckend. (...) Tonfall und Atmosphäre sind in jeder Geschichte erfrischend anders. (...) Psychologisch stimmige Charaktere. (...) Die Geschichten enden nur im Buch, nicht im Kopf des Lesers.
Emotion, 4/07

... scharf beobachtete Kurzgeschichten von der Liebe.
Schweizer Fernsehen, Kulturplatz, Buchtipp vom 14.3.2007
Interview und Leseprobe: www.sf.tv/sf1/kulturplatz


Dass es Verlierer geben wird, Verletzungen, ist in den Konstellationen vom ersten Moment an vorgegeben. Trotzdem ertappt man sich beim Lesen dabei, wie man mit den Heldinnen hofft. Dass das Ganze nicht im Kitsch endet, verdankt sich der Autorin und ihrer Gabe zur psychologischen Beobachtung. Sachlich wie eine Forscherin verfolgt sie das Geschehen, sachlich wie die Liebe selbst, die mal amüsiert, mal melancholisch verfolgt, was sie alles anrichtet auf dieser Welt.
Blick

A masterly Study of the constellations of 'love' (...) The language is clear and precise and Mingels has the ability to capture the often complicated contradictions within human relationships in simple, powerful sentences and pictures, homing in on the moment, which in real life takes a mere split second, where events, and therefore relationships, could go one way or the other. This is skilful writing and plotting, with the characters' psychology fully explored, the language clear and at times thrumming with poetry. A most fulfilling and rewarding read.
New books in german, spring 2007

Alle sechzehn Texte sind auf den Punkt - wenngleich nicht auf den erwarteten - zugeschrieben. Mingels, Jahrgang ´71, Autorin des allseits gelobten Romans "Die Liebe der Matrosen", erzählt raffiniert, atmosphärisch dicht. Diese Autorin ist eine meisterhafte Erzählerin. Jede ihrer Erzählungen möchte man gleich noch einmal lesen.
Hans Hoffmeister, Thüringische Landeszeitung

Menschen lernen sich kennen oder trennen sich, sehnen sich nacheinander oder werden einander überdrüssig, betrügen sich oder arrangieren sich in Dreiecksbeziehungen. Alltägliche Ereignisse, müsste man meinen, aber die 1971 geborene Autorin erzählt das scheinbar Banale auf ungewöhnliche Weise. Wie Raureif überzieht stets ein leichter Grusel das Geschehen. Und immer katapultieren ihre Gefühle die Protagonisten heraus aus einer Welt, in der sie es gerade bequem gemacht hatten. 
dpa