| Neben den Preisträgern gab es auch ein beachtlich erzähltes Adoleszenzdrama von Thomas Melle und eine höchst subtil gezeichnete Beziehungschoreographie der Schweizerin Annette Mingels. Paul Jandl, NZZ, 26. Juni 2006 Gegen Scheuer, Jahrgang 1951 und ebenfalls alles andere als ein Nachwuchsautor, ist nichts einzuwenden; doch angesichts der überwältigenden Konkurrenz von Autoren wie Clemens Meyer, Annette Mingels oder Thomas Melle hätte spätestens diese Auszeichnungen einer der starken jüngeren Stimmen gebührt. Felicitas von Lovenberg, FAZ, 26. Juni 2006 Von der flackernden Seelendynamik des Seitensprungs und des Ehebruchs erzählte Annette Mingels in einem schönen Text. Iljoma Mangold, Süddeutsche Zeitung, 26. Juni 2006 Ohne Auszeichnung blieben auch die beiden Schweizer Teilnehmer, die vom Bachmann-Preis-Juror Martin Ebel nach Klagenfurt eingeladen worden waren. Annette Mingels, in Köln geboren und in Zürich lebend, schaffte es immerhin auf die Shortlist der letzten neun. In ihrer Erzählung "Nachbeben" variiert sie jene Themen, die sie zuletzt so überzeugend auch in ihren Romanen "Die Liebe der Matrosen" und "Der aufrechte Gang" verfolgte: die Asymmetrie der Gefühle in Paarbeziehungen, die Liebe und ihre permanente Gefährdung. "Wenn sie etwas sagen, sind sie höflich, zwei Fremde auf einer Feier" - das ist die Bilanz einer Ehe, in der sich Irene nur im Traum gegen den Ehemann und für den Liebhaber entscheidet. Eindringlicher als zuletzt in den Romanen stellt sich für die Protagonistin der Erzählung die Frage der Schuld, und bedrohlicher als ihre in Beziehungsfragen glücklosen Vorgängerinnen erlebt Irene die Möglichkeit des Scheiterns ihrer Ehe. Doris Plöschberger, Tages-Anzeiger, 26. Juni 2006 |