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Hase Vor ein paar
Tagen saß ich auf einer Bühne in Stuttgart und diskutierte
mit drei Autoren und einem Lektor darüber, ob man
literarisches Schreiben lernen kann oder nicht. Nach der
Diskussion meldete sich ein Mann aus dem Publikum. Er
hatte graue längere Haare und trug Kleidung, die deutlich
jünger aussah als seine Haare. Er sagte: „Eines will ich
mal sagen.“ Er sagte: „Es gibt Hunderttausende von gut
bezahlten Märchenerzählern in Deutschland.“ Ich
dachte: Gut bezahlt? „Die Pfarrer “, sagte er, und ich
dachte: Ach so. Dann sagte er, dass alle Pfarrer nichts
taugten. Weil Glauben könne man nicht lernen. Ebenso wenig
wie Schreiben. Und so gut wie Van Gogh schreibe ohnehin
niemand mehr. Ich dachte: Van Gogh? Briefe habe der
geschrieben, die seien so verflucht wahr, sagte der Mann,
so tief empfunden, so was könne man nicht lernen. Dann
fragte er, was denn die Lektoren könnten. Ob die nicht
alle eigentlich gar nichts könnten. Spätestens da war
klar, dass er selbst schon ein paar Sachen geschrieben
hatte, die verflucht wahr und tief empfunden waren und die
trotzdem niemand drucken wollte. Der Lektor auf der Bühne
schaute ergeben vor sich hin, und die Moderatorin sagte:
„Weitere Fragen?“ |