Vor fünf Wochen wurde unser
Sohn geboren. Natürlich finden wir ihn hinreißend und sagen Sachen
wie, dass er ein Wunder sei und besonders gelungen. Immer wieder
fragen wir uns auch, wem er ähnlich ist. „Die Lippen“, sage ich zum
Beispiel, „sind wie deine“, und mein Mann sagt: „Das Schreien hat er
von dir.“ Am Ende kommen wir aber meistens zum Schluss, dass er am
ehesten einem Freund von uns gleicht. Glücklicherweise ist dieser
Freund schwul.
Apropos Glück: So eine Geburt ist ja der rechte Zeitpunkt, über
Glück nachzudenken. Leider musste gerade ein großes schweizerisches
Forschungsprojekt abgebrochen werden, das untersuchen wollte, welche
Faktoren Kinder zu glücklichen oder unglücklichen Erwachsenen werden
lassen. 3000 Kinder – und mit ihnen ihr gesamtes Umfeld – sollten
von der Schwangerschaft bis ins zwanzigste Lebensjahr beobachtet
werden. In einem Land, in dem die Diskretion im Privaten noch
wichtiger als das Bankgeheimnis ist, keine wirklich gute Idee. Statt
3000 Frauen erklärten sich nur rund 30 zu einer Teilnahme bereit.
Das ist schade, weil man jetzt nicht aus den Fehlern der anderen
lernen kann, sondern alle selbst machen muss. „Sesam“ war der Name
des Projekts, das so schnell wieder geschlossen wurde wie der Berg
hinter Aladin.
Apropos Namen: In der Zeitung habe ich heute gelesen, dass ein
neunjähriges Mädchen im neuseeländischen Wellington so unglücklich
mit seinem Namen war, dass es vor Gericht durchgesetzt hat, nicht
länger „Talula does the Hula from Hawai“ heißen zu müssen. Ein
Nachname wurde leider nicht genannt. Hoffentlich kein Doppelname.
Ein anderer Junge, schrieb die Zeitung, sei von seinen Eltern
„Bushaltstelle Nr. 16“ genannt worden und ein Zwillingspärchen „Fish
and Chips“, was immerhin ganz appetitlich klingt.
Unser Sohn hat drei Namen, und eigentlich ist das mindestens einer
zu viel, aber wir konnten uns nicht einigen. „Die Mutter darf so was
allein entscheiden“, hatte zwar unser Freund Mark gesagt. Er ist
Dirigent und Amerikaner und sehr klug. Aber mein Mann sperrte sich
seiner Logik. Dafür ist Mark jetzt der Pate unseres Kindes geworden.
Es hat bereits heute sehr lange Finger. Es wird bestimmt Pianist,
Schreiner oder Masseur. Vielleicht auch Trickdieb. Total egal.
Hauptsache, es wird glücklich.