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Geburtsvorbereitung
Letzte Woche besuchten wir unseren ersten
Geburtsvorbereitungskurs. Auf Matten und Bällen saßen sechs Paare. Die
Männer sollten sagen, was sie sich von dem Kurs erhofften. Praktische
Tipps, sagte einer. Ein anderer sagte, er wolle mehr an der
Schwangerschaft partizipieren. Mein Mann sagte: Dass das hier nicht allzu
peinlich wird. Die Hebamme nickte beruhigend.
Irgendwann standen wir dann aber trotzdem im Kreis, Schulter an Schulter.
Wir atmeten tief ein und sehr laut aus, es klang wie das Stöhnen eines
gestrandeten Wals und war ziemlich genau das, was wir nie hatten machen
wollen. Neben mir stand Stefan, der aussah, als wäre er statt Ingenieur
lieber Fußballer geworden, und seine Freundin Tanja, und beide machten
beim Ausatmen A und U und I, und dann setzten wir uns wieder und Stefan
erklärte, dass es gerade der Geburtsschmerz sei, der die Frau dazu bringe,
ihr Kind zu lieben, das sei alles ganz natürlich, und also: je mehr, desto
besser. Seine Freundin nickte.
Natürlich wusste ich, dass es solche Männer immer noch gibt, aber es ist
ein wenig wie wenn man jemanden trifft, der Michael Mittermeier lustig
findet: Man ahnte, dass es da jemanden geben muss, aber vorstellen konnte
man es sich trotzdem nicht so richtig. Die Hebamme war eine Bauerntochter
aus dem Glarus, sie liebte die Berge, und darum sagte sie jetzt, dass eine
Geburt wie eine Bergtour sei: Gerade weil die so anstrengend sei, sei es
auch so schön, wenn man dann endlich oben stehe. Natürlich könne man auch
die Seilbahn nehmen, wenn man zu schlapp sei. Sie lachte. Die Hebamme hat
selbst noch kein Kind bekommen. Aber sie hatte vor einigen Tagen zum 365.
Mal geholfen, eines auf die Welt zu bringen.
Die einzige Bergtour, die ich je machte, ging auf den Creux du Vent im
Jura. Während des Aufstiegs sank meine Laune mit jedem Höhenmeter, den wir
erklommen, negative Gedanken beseelten mich, und als wir endlich oben
waren, war es zwischen der Welt und mir so was von vorbei, dass mich der
Ausblick nicht mehr erfreuen konnte. Nicht ein bisschen. Wahrscheinlich
mangelt es mir einfach an der richtigen Einstellung.
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